Saisonauftakt der deutschen Superliga

Zum Auftakt der deutschen Superliga bezwang am Wochenende Schalke 04 Werder Bremen mit 2:0.

Sie wissen nicht, was die deutsche Superliga ist? Dann will ich’s kurz erklären.

Die Superliga ist eine Liga innerhalb der Bundesliga. Ihr gehören vier Clubs an, die sich in den vergangenen Jahren, vornehmlich in der Champions League, dumm und dusselig verdient haben und sich deshalb einige der besten Fußballspieler dieses Planeten leisten können – mit steigender Tendenz. Weil die Kluft zu den übrigen Mannschaften der Bundesliga immer größer wird, lassen sich die exklusiven Superclubs nur noch sporadisch von Mannschaften aus dem gemeinen Fußballvolk schlagen.

Allerdings ist das kein deutsches Phänomen, auch in den anderen großen europäischen Fußball-Ligen in England, Italien und Spanien verläuft die?Entwicklung in vergleichbarer Richtung. Eine Ausnahme bildet Frankreich, wo sich hinter Olympique Lyon noch keine eindeutige Elitenbildung vollzogen hat.

Den nationalen Superligen gehören gewöhnlich vier Mannschaften an – weil den besten drei Verbänden vier Champions League Startplätze zustehen. Gelegentlich gibt es auch einen Auf- und Abstieg. Wie zum Beispiel im vergangenen Jahr in Deutschland, als Absteiger Bayer Leverkusen durch Aufsteiger Hamburger SV ersetzt wurde. Der HSV komplettiert jetzt das Superliga-Feld mit Bayern München, Werder Bremen und Schalke 04.

Dieses Quartett spielt quasi eine eigene Meisterschaft innerhalb der Bundesliga aus. Der Rest der Bundesliga dient als Staffage und wird von den Protagonisten ansonsten weitgehend ignoriert bzw. als nützliche Idioten zur Umsetzung der eigenen Herrschaftsstrategien angesehen. Die übrigen 14 Bundesligisten träumen natürlich davon, auch eines Tages diesem erlesenen Kreis anzugehören. Aber das wird von Jahr zu Jahr schwieriger, weil die bestehende Elite mit ihrem exponential steigenden fußballerischen Potential immer mehr enteilt.

Der Spielplan der deutschen Superliga:

25.08.06 Schalke 04 – Werder Bremen 2:0
23.09.06 Hamburger SV – Werder Bremen -:-
13./14./15.10.06 Hamburger SV – Schalke 04 -:-
20./21./22.10.06 Werder Bremen – Bayern München -:-
03./04./05.11.06 Schalke 04 – Bayern München -:-
24./25./26.11.06 Hamburger SV – Bayern München -:-
02./03./04.02.07 Werder Bremen – Schalke 04 -:-
16./17./18.02.07 Werder Bremen – Hamburger SV -:-
02./03./04.03.07 Schalke 04 – Hamburger SV -:-
09./10./11.03.07 Bayern München – Werder Bremen -:-
30./31.03./1.4.07 Bayern München – Schalke 04 -:-
27./28./29.04.07 Bayern München – Hamburger SV -:-
Tabelle: Sp S U V Tore Punkte
1. Schalke 04 1 1 0 0 2:0 3
2. Bayern München 0 0 0 0 0:0 0
3. Hamburger SV 0 0 0 0 0:0 0
4. Werder Bremen 1 0 0 1 0:2 0

Manchmal gelingt es tatsächlich einem Underdog, sich unter die Superligisten zu drängeln, beispielsweise Hertha BSC oder VfB Stuttgart, aber das bleibt nie mehr als eine Episode.

In England bilden übrigens derzeit FC Chelsea, FC Arsenal, Manchester United und FC Liverpool die Superliga; in Spanien sind es FC Barcelona, Real Madrid, FC Valencia und Real Betis Sevilla, das inzwischen Deportivo La Coruna verdrängt hat.

In Italien ist die festgefügte Superliga-Struktur mit Juventus Turin, AC Mailand, Inter Mailand und AS Rom in diesem Sommer durch den Manipulationsskandal gesprengt worden. Juve wird sich also vermutlich erst 2008 wieder einreihen können. Bis dahin gilt in der “Serie A” eine übergangsregelung mit Chievo Verona.

Fußball digital

Gehören Sie auch zu den drei Dutzend Menschen in Deutschland, die noch keinen ultramodernen LCD- oder TFT-Flachbildschirmfernseher im Bildformat 16:9 besitzen? Dann geht’s Ihnen wie mir.

In meinem Wohnzimmer steht ein 12 Jahre alter Philips-Monumentalkasten, dessen Bildröhre unermüdlich farbige Bewegtbilder im Format 4:3 auf den Bildschirm zaubert. Und damit fangen zu Beginn des 21. Jahrhunderts meine Probleme als Fußball-Fernsehjunkie an.

ARD und ZDF lösen das Problem auf ihre Weise. Sie ballern mir bei Fußball-übertragungen oben und unten zwei dicke schwarze Balken auf die Glotze und minimieren die Ballzauberer auf Ameisengröße. Meine letzte Rettung war stets die Fernbedienung: einfach auf Premiere umschalten. Dort erwartete mich das altehrwürdige 4:3-Bild, auf dem auch meine 47 Jahre alten Augen noch halbwegs etwas erkennen können.

Aber Bundesliga auf Premiere ist out. Kein Problem, arena hat ja im fliegenden Wechsel übernommen. Dachte ich. Aber die gestrige übertragung des Spiels Bayern – Dortmund belehrte mich eines Schlechteren. Die Newbies machen es ganz anders als die öffentlich-Rechtlichen. Sie lassen mir zwar die volle Höhe des Bildes, dafür schneiden sie mir links und rechts ein Stückchen vom Bild ab. Fein zu erkennen am Spielstand-Insert rechts, das mir nur die Spielzeit, die Heimmannschaft und die Hälfte der Gastmannschaft anzeigt. Die andere Hälfte fällt ebenso wie der Spielstand dem 16:9-Wahn zum Opfer. Klasse! Ganz große Klasse!

Aber worüber rege ich mich eigentlich auf? Schließlich gehöre ich zu den bedauernswerten, in Nordrhein-Westfalen ansässigen Geschöpfen, die ab jetzt in ihrem Decoder ständig die Smartcards umstöpseln dürfen. Von Premiere auf ish-tividi-arena und zurück. Unter interaktivem Fernsehen hatte ich mir bisher immer etwas ganz anderes vorgestellt. Ganz abgesehen davon, dass ich jetzt zwei Ausgaben der Fernsehzeitschrift “TV Digital” bekomme: die Premiere Ausgabe von Premiere und die ish-tividi-arena Ausgabe vom Kabelnetzbetreiber ish. So muss das sein anno 2006.

Fazit: Die fortschreitende Digitalisierung geht einher mit einem rasanten Abfall der Nutzerfreundlichkeit. Daran müssen wir uns als Fußballfans wohl gewöhnen.