Fußball digital
Gehören Sie auch zu den drei Dutzend Menschen in Deutschland, die noch keinen ultramodernen LCD- oder TFT-Flachbildschirmfernseher im Bildformat 16:9 besitzen? Dann geht’s Ihnen wie mir.
In meinem Wohnzimmer steht ein 12 Jahre alter Philips-Monumentalkasten, dessen Bildröhre unermüdlich farbige Bewegtbilder im Format 4:3 auf den Bildschirm zaubert. Und damit fangen zu Beginn des 21. Jahrhunderts meine Probleme als Fußball-Fernsehjunkie an.
ARD und ZDF lösen das Problem auf ihre Weise. Sie ballern mir bei Fußball-übertragungen oben und unten zwei dicke schwarze Balken auf die Glotze und minimieren die Ballzauberer auf Ameisengröße. Meine letzte Rettung war stets die Fernbedienung: einfach auf Premiere umschalten. Dort erwartete mich das altehrwürdige 4:3-Bild, auf dem auch meine 47 Jahre alten Augen noch halbwegs etwas erkennen können.
Aber Bundesliga auf Premiere ist out. Kein Problem, arena hat ja im fliegenden Wechsel übernommen. Dachte ich. Aber die gestrige übertragung des Spiels Bayern – Dortmund belehrte mich eines Schlechteren. Die Newbies machen es ganz anders als die öffentlich-Rechtlichen. Sie lassen mir zwar die volle Höhe des Bildes, dafür schneiden sie mir links und rechts ein Stückchen vom Bild ab. Fein zu erkennen am Spielstand-Insert rechts, das mir nur die Spielzeit, die Heimmannschaft und die Hälfte der Gastmannschaft anzeigt. Die andere Hälfte fällt ebenso wie der Spielstand dem 16:9-Wahn zum Opfer. Klasse! Ganz große Klasse!
Aber worüber rege ich mich eigentlich auf? Schließlich gehöre ich zu den bedauernswerten, in Nordrhein-Westfalen ansässigen Geschöpfen, die ab jetzt in ihrem Decoder ständig die Smartcards umstöpseln dürfen. Von Premiere auf ish-tividi-arena und zurück. Unter interaktivem Fernsehen hatte ich mir bisher immer etwas ganz anderes vorgestellt. Ganz abgesehen davon, dass ich jetzt zwei Ausgaben der Fernsehzeitschrift “TV Digital” bekomme: die Premiere Ausgabe von Premiere und die ish-tividi-arena Ausgabe vom Kabelnetzbetreiber ish. So muss das sein anno 2006.
Fazit: Die fortschreitende Digitalisierung geht einher mit einem rasanten Abfall der Nutzerfreundlichkeit. Daran müssen wir uns als Fußballfans wohl gewöhnen.

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