Punkte müssen her!
Man könnte sich auf den Standpunkt stellen, der Hamburger SV habe sich mit seinen indiskutablen Leistungen in der Champions League selbst genug gestraft. Im nächsten Jahr ist der HSV überhaupt nicht mehr dabei. Genauso wie Schalke 04 und Hertha BSC, denen noch nicht einmal der Einzug in die UEFA-Cup-Gruppenphase gelang. Doch dieses Desaster unserer Clubs hat weitreichende Auswirkungen. Nämlich auf die künftige Anzahl der Europapokal-Startplätze.
Was bleibt dem deutschen Fußball noch anno 2006/07 auf europäischer Bühne? Bayern München steht im Champions League Achtelfinale, soviel ist klar. Werder Bremen kämpft noch darum, wird aber wohl realistischerweise ab 2007 im UEFA-Cup weiterspielen. Bayer Leverkusen sollte nach den zuletzt gezeigten Leistungen in der Lage sein, ebenfalls im UEFA-Cup zu überwintern. Eintracht Frankfurt wohl eher nicht. Die Hessen schlagen sich wacker, aber die Konkurrenz in der Gruppe H scheint übermächtig. Das bedeutet: Wir steigen in die zweite Hälfte des Europapokals mit drei Mannschaften ein.
Warum ich das alles erzähle? Nun, die Kollegen vom kicker machen sich dankenswerterweise die Mühe, auf ihrer Website eine “Echtzeit-Tabelle” der Fünfjahreswertung des europäischen Fußballverbandes UEFA zu erstellen. Diese Fünfjahreswertung stellt bekanntlich den Schlüssel für die Verteilung der Europacup-Startplätze dar. Die Nationalverbände auf den Plätzen 1 bis 3 erhalten zwei feste Startplätze in der Champions League (CL), zwei Startplätze in der CL-Qualifikation und zwei UEFA-Pokal-Startplätze. Für die Ränge 4 bis 6 springen 2 CL-Plätze, 1 CL-Qualifikant und 2 UEFA-Cup-Plätze heraus. Die Ränge 7/8 erhalten 1-1-3, die Ränge 9/10 1-1-1 Startplätze. Hinzu kommt noch jeweils der nationale Pokalsieger.
In dieser Wertung kommt Deutschland langsam aber sicher in die Bredouille. Zwar sind die Plätze für die Saison 2007/08 noch sicher (siehe kicker.de), aber danach kann’s einem mulmig werden. Denn die aktualisierte Echtzeit-Fünfjahreswertung für die Saison 2008/09 sieht (Stand heute) so aus:
| Pl. | Nation | 02/03 | 03/04 | 04/05 | 05/06 | 06/07 | Gesamt |
| 1. | Spanien | 15.500 | 14.312 | 12.437 | 15.642 | 6.571 | 64.462 |
| 2. | Italien | 15.928 | 8.875 | 14.000 | 15.357 | 6.642 | 60.802 |
| 3. | England | 10.666 | 11.250 | 15.571 | 14.428 | 8.125 | 60.040 |
| 4. | Frankreich | 7.916 | 13.500 | 11.428 | 10.812 | 5.625 | 49.281 |
| 5. | Deutschland | 9.142 | 4.714 | 10.571 | 10.437 | 4.928 | 39.792 |
| 6. | Portugal | 10.750 | 10.250 | 8.166 | 5.500 | 4.583 | 39.249 |
| 7. | Rumänien | 2.166 | 4.333 | 5.500 | 16.833 | 9.000 | 37.832 |
| 8. | Niederlande | 6.166 | 5.416 | 12.000 | 7.583 | 4.785 | 35.950 |
| 9. | Russland | 3.625 | 5.875 | 10.000 | 10.000 | 5.375 | 34.875 |
| 10. | Belgien | 6.875 | 5.875 | 6.125 | 5.500 | 4.100 | 28.475 |
Die drei Großmächte Spanien, Italien und England kann nichts erschüttern. Auch Frankreich hat sich auf seinem vierten Rang behaglich eingerichtet. Aber wie unschwer zu erkennen ist, rücken Deutschland (5.) gleich vier Konkurrenten mächtig auf die Pelle. Platz sieben bedeutet den Verlust eines Champions League Platzes. Und ab Platz neun zählt man zu den Nobodys. Bayern, Werder und Bayer – haltet euch ran! Die Bundesliga baut auf euch!
Und was haben unsere Verfolger in dieser Spielzeit noch so im Angebot? Hier eine kleine Hochrechnung:
Portugal: FC Porto spielt in der Champions League weiter, Sporting Lissabon, Benfica Lissabon und Sporting Braga bereichern den UEFA-Cup (4).
Rumänien: Champions League ade! Das Bukarester Trio Steaua, Dinamo und Rapid kickt demnächst im UEFA-Cup (3).
Niederlande: Der PSV Eindhoven steht wie Bayern schon im CL-Achtelfinale. Im UEFA-Cup sind unsere Nachbarn ab nächstem Jahr mit Ajax Amsterdam, Feyenoord Rotterdam und AZ Alkmaar vertreten. SC Heerenveen scheidet aus (4).
Sollte sich einer, oder lieber zwei, aus dem deutschen Trio ins Halbfinale dribbeln, sieht’s gar nicht so schlecht aus, zumindest um Platz sechs in der Fünfjahreswertung zu verteidigen. In den beiden folgenden Jahren verliert Portugal relativ viele Punkte, allerdings kommt dann die Gefahr aus dem Osten. Rumänien und Russland könnten ab 2008/09 zum großen Schlag ausholen und die etablierte europäische Fußballwelt einem mittleren Erdbeben aussetzen.

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