Die Cannavaroisierung des Fußballs

Der Italiener Fabio Cannavaro ist Europas Fußballer des Jahres 2006. Es sei ihm gegönnt, schließlich ist der 33 Jahre alte Abwehrspieler von Real Madrid Kapitän des aktuellen Weltmeisters.

Dennoch seien mir einige Anmerkungen zu dieser Rangliste des europäischen Fußballs, gestaltet von der Avantgarde des europäischen Sportjournalismus, gestattet. Das Votum der 52 Jurymitglieder der französischen Fußball-Fachzeitschrift “France Football“, die sich selbst ohne falsche Bescheidenheit die “Bibel des Fußballs” nennt, ist in dreierlei Hinsicht äußerst bemerkenswert – trotz der sportpolitischen Dimension, die solchen Abstimmungen natürlich immer innewohnt.

1. Cannavaro ist ein sehr guter Spieler, aber kein überragender. Spielertypen wie er sind dann gut, wenn die Mannschaft funktioniert. Die Tatsache, dass ein Spielzerstörer auf den Thron gehievt wurde, ist gleichzeitig Ausdruck einer Krise des Spitzenfußballs, die sich bereits bei der WM 2006 in ausgeprägtem Sicherheitsdenken spiegelte. Derzeit macht die Kreativität eine Pause. Und das ist die Grundlage für die Cannavaroisierung des Fußballs.

2. Ich habe selten bei der Veröffentlichung einer Rangliste so herzhaft gelacht. Der 5. Platz des Franzosen Zinedine Zidane ist ein köstlicher Witz! Er hat in diesem Jahr praktisch nichts geleistet, nur eine knappe Handvoll gute Spiele gemacht und für sein Team das wichtigste Spiel des Jahres durch einen Amateurfehler verloren. Bitte nächstes Mal vor der Abstimmung einen Sixpack Budweiser weniger trinken!

3. Die Platzierungen der deutschen Spieler sind Ausdruck des Stellenwerts, den der deutsche Fußball derzeit im Ausland genießt. Dass Michael Ballack, immerhin Kapitän des WM-Dritten, und Bastian Schweinsteiger keine Stimme bekommen haben, ist eine nette Randnotiz. Aber dass Miroslav Klose nur auf Rang sieben landete, mit immensem Abstand zu den sechs davor, das ist schon eine handfeste Watschn für den deutschen Fußball. Ich kenne keinen, der im Jahr 2006 in Europa besser war als der Bundesliga- und WM-Torschützenkönig.

Die Top 10:
1. Fabio Cannavaro (Italien/Real Madrid/173 Punkte),
2. Gianluigi Buffon (Italien/Juventus Turin/124),
3. Thierry Henry (Frankreich/FC Arsenal/121),
4. Ronaldinho (Brasilien/FC Barcelona/73),
5. Zinedine Zidane (Frankreich/Real Madrid/71),
6. Samuel Eto’o (Kamerun/FC Barcelona/67),
7. Miroslav Klose (Deutschland/Werder Bremen/29),
8. Didier Drogba (Elfenbeinküste/FC Chelsea/25),
9. Andrea Pirlo (Italien/AC Mailand/17),
10. Jens Lehmann (Deutschland/FC Arsenal/13).

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