Trainerkult
Nach etwas mehr als 2000 Jahren ist den Menschen wieder ein Messias erschienen. Diesmal allerdings nur mit einem regional begrenzten Zuständigkeitsbereich, nämlich für das mittlere Rheinland. Außerdem heißt er nicht Christus, sondern Christoph. Und seine Jünger gehen nicht über Wasser, sondern schießen den Ball ins gegnerische Tor – bejubelt von den Massen.
Gläubige Menschen mögen mir diese ketzerischen äußerungen verzeihen. Aber der Kult, der gegenwärtig in Köln um Trainer Christoph Daum betrieben wird, ist mit rationalen Maßstäben nicht mehr zu fassen. Okay, kann man einwenden, Köln ist ja schließlich eine Karnevalshochburg. Aber ich habe langsam den Eindruck, die Menschen hier um mich herum meinen das alle Ernst mit der göttlichen Verehrung. Daum legt die Hand auf und die eigenen Spieler bekommen Flügel, des Gegners Beine werden schwer und der Schiri führt nur noch im rechten Augenblick die Pfeife zum Mund. Liebe katholischen Kinder: es ist weder Jesus noch der Papst, es ist nur ein Fußball-Lehrer!
Ich bin ehrlich gespannt, ob diese Klamotte in Köln anders verläuft als ein paar Kilometer rheinabwärts. Auch in Mönchengladbach kehrte mit Jupp Heynckes ein ehedem Eingeborener als gewachsener Weltmann in das ländliche Idyll am Niederrhein zurück. Und allen blieb am Ende die bittere Erkenntnis, dass auch ein früherer Champions-League-Gewinner aus Ackergäulen keine Rennpferde machen kann.
Die Spieler des 1. FC Köln werden die Situation genießen, denn komfortabler geht es kaum noch: ab jetzt gewinnt und verliert in Köln nur noch Christoph Daum. Von der Mannschaft redet keiner mehr.

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