Das EM-TV-Tagebuch, Tag 18
Donnerstag, 26. Juni 2008 – 2. Halbfinale
Warum haben wir eigentlich keinen Brasilianer? Nein, keinen Kuranyi. Einen richtigen. Einen, der unfallfrei gegen den Ball treten kann. So einen wie den Frings der Türken, Mehmet Marco Aurelio. Oder noch besser: so einen wie den Frings der Spanier, Marcos Senna.
Der wird zwar bald 32 und hat vor vier Jahren mit Steroiden gedopt, weil ihm die Heilung seines kaputten Knies zu lange dauerte. Aber jetzt ist er gut. Nein, er ist brillant. Nicht nur beim FC Villarreal. Auch in der spanischen Nationalmannschaft, für die der Junge aus Sao Paulo seit seinem 30. Lebensjahr spielt. Warum er dort spielt, weiß keiner so genau. Nicht mal er selbst, wie er jüngst in einem Interview zugab. Reiner Zufall. Es hätte auch die Schweiz sein können. Oder die Ukraine.
Aber ganz ehrlich: was die Spanier können, können wir doch auch. Oder? Lasst uns beispielsweise mal den Diego anrufen. Der ist sowieso gerade stinkig auf Brasilien, weil er im letzten Länderspiel gegen Argentinien vom Selecao-Coach Carlos Dunga die Höchststrafe aufgebrummt bekommen hat: eingewechselt nach 34 Minuten, wieder ausgewechselt nach 79 Minuten. Wir besorgen ihm heute, mit Hilfe des deutschen Oberfans Angela Merkel, rasch einen deutschen Pass, geben ihm einen schönen deutschen Vornamen, zum Beispiel Dieter, und tauschen ihn in der Nacht von Samstag auf Sonntag in einer geheimen Kommandoaktion gegen David Odonkor aus.
Das merkt keiner und wir hätten plötzlich auch einen, mit dem wir angeben können.
Falls das alles aus irgendwelchen Gründen nicht klappt, habe ich für Sonntag echt Bedenken. Ich hätte in der zweiten Halbzeit lieber auf den AV-Kanal umschalten und mir die DVD vom Italien-Spiel der Spanier reinziehen sollen. Dann wäre ich heute wesentlich beruhigter.
Leistungsbarometer der Teams:
Spanien: Prima, dass ihr euren Zauberstab wiedergefunden habt. 21 Spiele ungeschlagen. Das sagt alles. Eine Bitte hätte ich noch: Es wäre schön, wenn ihr auch mal dem Gegner den Ball überlassen würdet. Zumindest zwei, drei Mal pro Halbzeit.
Russland: Ihr habt fertig. Gespielt wie Flasche leer. Als hätte Gazprom plötzlich die Energiezufuhr unterbrochen. Okay, so haben wir auch gespielt. Aber bei uns ist das was anderes.

Kommentare (0)