Frings ein Weichei?
Keine Frage: ich bin ein Fan von Torsten Frings. Nicht erst seit der WM 2006, als er meines Erachtens der überragende deutsche Spieler war. Der eigentlich Chef. Trotz Ballack, trotz Klose. Wegen seiner Sperre haben wir das Finale verpasst – von dieser Legendenbildung bin ich nicht abzubringen. Dieser Tage frage ich mich allerdings: was ist bloß in ihn gefahren.
Torsten Frings ist fast 32. Er müsste also langsam wissen, dass Profifußball ein Tagesgeschäft ist. Er saß gegen Russland und Wales auf der Bank. Na und? Kein Grund, jetzt einen auf weinerliche Diva zu machen. “Mangelnden Respekt”, warf er Bundestrainer Joachim Löw vor und dachte öffentlich über Rücktritt aus der Nationalelf nach. Mann, Mann, was soll das denn? Frings ein Weichei? Das bringt mein Weltbild durcheinander.
Löws Entscheidung hatte Gründe. Gute Gründe.
1. Frings konnte wegen einiger schwerer Verletzungen im zurückliegenden Jahr kaum einmal kontinuierlich spielen, war nicht der überragende Dirigent im Bremer Mittelfeld, der er wieder sein wird, wenn er über einen längeren Zeitraum fit ist.
2. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich nach dem ersten Spieltag der laufenden Bundesliga-Saison aus dem Borussia-Park zurückkam und in meiner Redaktion verkündete: “Ich habe den neuen Frings gesehen!” Gemeint war natürlich Thomas Hitzlsperger, der beim Stuttgarter 3:1-Sieg in Gladbach großartig aufgetrumpft hatte.
Also Hitzlsperger statt Frings in zwei entscheidenden Qualifikationsspielen – irgendwie nachvollziehbar.
Hinzu kommt: ein Trainer, der gewinnt, hat immer Recht. Es gibt keine Argumente gegen Siege. Insofern war der Zeitpunkt nach den beiden jüngsten Länderspielerfolgen denkbar ungünstig gewählt für eine Breitseite gegen den Bundestrainer.
Lieber Torsten Frings: lass mal die Kirche im Dorf. Ich bin felsenfest überzeugt, dass du bei der WM 2010, so wir uns qualifizieren, wieder eine tragende Rolle im deutschen Team spielen wirst. Wenn du fit bist. Dann bist du nämlich einer der besten “Sechser” der Welt.

Kommentare (0)