Junioren-Titel – nichts für uns

Ein Wort zur deutschen U-21-Nationalmannschaft. Der Katzenjammer ist groß nach dem Qualifikations-Aus gegen England (0:1 und 0:2). Besonders beim übungsleiter Dieter Eilts. Dafür habe ich vollstes Verständnis: keine Europameisterschaft 2007, keine Olympischen Spiele 2008, zwei Jahre Turnierpause.

Aber machen wir uns nichts vor: Junioren-Titel oder Olympia-Teilnahmen haben in den strategischen Planungen des DFB noch nie einen sonderlich hohen Stellenwert gehabt. Die Funktionäre in Frankfurt wissen ganz genau: in Deutschland zählt nur die A-Nationalmannschaft. Das ist übrigens in Italien ähnlich. Und genau umgekehrt verhält es sich in den beiden traditionell erfolgreichsten Verbänden des Jugendfußballs in Europa, Spanien und Portugal. Dort kriegen die A-Nationalteams nichts auf die Reihe.

Ich finde, unsere Jungs um Kießling und Polanski haben sich gegen England noch einigermaßen wacker geschlagen, wenngleich sie im Endeffekt chancenlos waren. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Eilts die fünf Besten dieses Jahrgangs gar nicht zur Verfügung standen. Podolski, Schweinsteiger, Odonkor und neuerdings auch Trochowski vergnügten sich derweil in Rostock und Bratislava bei den “Weltmeistern der Herzen”. Auch der verletzte Jansen kickt bekanntlich nur noch für Jogi.

Also, liebe Sportfreunde, seid’s etwas stiller. Pfeifen wir auf Junioren-EMs, -WMs und den olympischen Geist. Schließlich wollen wir in dreieinhalb Jahren wieder singen: “…Eins und zwei und drei und 54, 74, 90, 2010 – ja so stimmen wir alle ein. Mit dem Herz in der Hand und der Leidenschaft im Bein werden wir Weltmeister sein…” (so wie hier).

Papa’s coming home

Zum WM-Aus der deutschen Mannschaft im Halbfinale gegen Italien hat der Kollege vom Bonner “General-Anzeiger” ein sehr schönes Bild entworfen:

Es war wie früher, jeder kennt diese Situation. Um kurz vor Mitternacht kommt der Vater rein, macht das Licht an und sagt: “Die Party ist vorbei.”

Ungemein?treffend!

Deutschland wurde “gefringst”

Ein neues Wort hat Einzug gehalten in den internationalen Fußballsprachgebrauch: “fringsen”. Es bedeutet, dass eine unantastbare Macht den Ausgang von Fußballspielen beeinflusst, um Stärke und Autorität zu demonstrieren. Ganz in der historischen Tradition von Diktatoren.

Nun, Deutschland wurde heute “gefringst”. Vom Weltfußballverband FIFA, der den bisher überragenden WM-Spieler Torsten Frings wegen einer Lappalie für ein Spiel sperrte, um damit den Weg für Italien ins Finale frei zu machen. In Italien selbst ist das Wort zwar auch noch neu, aber inhaltlich wird das Prinzip in der Serie A schon seit langem erfolgreich angewendet. Wegen übertriebener “Fringserei” müssen dort Juventus Turin und einige andere Clubs wahrscheinlich zwangsabsteigen. Das gleiche Schicksal kann die FIFA nicht treffen. Leider, wie viele Fußballfans meinen.

Aber genug des Schabernacks. Was ist eigentlich passiert? War der FIFA die eigene WM zu langweilig? War den Funktionären die Stimmung zu gut? War den Altvorderen ein Dorn im Auge, dass nicht sie im Mittelpunkt der vergangenen vier Wochen standen, sondern Deutschland als Gastgeber der größten, friedlichsten und gutgelauntesten Fußball-Party aller Zeiten?

Ich weiß nicht, welcher Teufel die Funktionäre geritten hat, mit ihrer Sperre für Torsten Frings mittels nachträglichen Videobeweises die fröhliche Stimmung zu torpedieren. Die FIFA hat mit dieser Entscheidung am Vortag des Halbfinales zwischen Deutschland und Italien den Boden für eine Eskalation der Emotionen bereitet. Wenn deutsche Boulevard-Medien in infantiler Wut zum Pizza-Boykott aufrufen, ist das eine Entwicklung, die diese wunderbare WM einfach nicht verdient hat. Die Schuld daran trägt allein der Welt-Fußballverband.

Hat Frings nun während der Tumulte nach dem Viertelfinale gegen Argentinien eine Tätlichkeit begangen, oder nicht? Wenn ja, wären vier Spiele Sperre die logische Konsequenz gewesen. Wenn nein, hätte der Bremer freigesprochen werden müssen. Aber was bedeutet ein Spiel Sperre und ein weiteres “auf Bewährung”? Es ist das Eingeständnis der FIFA, dass es sich um einen lächerlichen Vorgang handelt. Zum Totlachen die ganze Nummer – wenn es nicht so traurig wäre.

Abschließend noch ein Wort zu grundsätzlichen elektronischen überwachungs- und Kontrollmechanismen während eines Fußballspiels. Dr. Michael Kellmann, Sportpsychologe an der Uni Bochum, sagte zum Thema elektronische Hilfsmittel jüngst der Westfälischen Rundschau:

“Es besteht die Gefahr, dass eine Begutachtung von außen den Spielfluss zerreibt. Das hat Auswirkungen auf die Emotionen. Fußball ist Emotion, wir saugen das auf, wir brauchen Gesprächsstoff für den nächsten Tag. Der Fußball lebt nicht nur von Toren.”

Dem gibt es nichts hinzuzufügen.

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