Halbwertszeit

Was haben der Mord am Ex-Spion Litwinenko und das Chaos beim Hamburger SV gemeinsam?

Harald Schmidt wusste gestern auf diese brennende Frage die Antwort:

“Man hat festgestellt, dass die Halbwertszeit von Polonium 138 Tage ist. Das heißt, Polonium zerfällt etwa so schnell wie der HSV.”

Böse, aber nicht uninteressant, dieser Vergleich…

Sportlicher Vielflieger-Bonus

Ein “gebildeter männlicher Vielflieger, mit hohem Einkommen, zwischen 30 und 60 Jahre alt” (Zielgruppendefinition) müsste man sein. Dann wüsste man Bescheid in der Welt des Sports. Seit einem Monat gibt es in Deutschland, weitgehend unbemerkt von der öffentlichkeit, eine täglich erscheinende Sportzeitung. Am Kiosk suchen Sportfans sie allerdings vergeblich.

Mit einer wöchentlichen Auflage von 65.000 Exemplaren wird die “Die Sportzeitung” aus dem Hause Deutscher Sportverlag (DSV) kostenlos ausschließlich über die Lounges und Wartehallen der Lufthansa an zwölf deutschen Flughäfen vertrieben. Das Heft erscheint werktags um 5.30 Uhr und hat einen Umfang von 24 bis 32 Seiten im Tabloid-Format. Der Schwerpunkt der Berichterstattung in der Kölner Redaktion liegt auf Fußball.

Laut DSV-Geschäftsführer Philipp Fleischmann zahlt die Lufthansa nichts für die Vertriebs-Partnerschaft, das Blatt finanziert sich ausschließlich über Werbung, die etwa ein Viertel des Heftinhalts umfasst. Im nächsten Jahr soll das Projekt Gewinne abwerfen. Schon gibt es Gerüchte, der Springer-Verlag wolle das Blatt übernehmen, doch die werden vom DSV dementiert.

Die aktuelle Ausgabe gibt es auch im Internet auf der Website der “Sportzeitung”. Zur Darstellung wird die Flash-Technologie von “Blätterkatalog” verwendet, ein Download als pdf ist leider nur seitenweise möglich.

Das unterscheidet “Die Sportzeitung” von der täglichen Internetausgabe der “SportBild“. Die umfasst zwar nur acht Seiten, beschäftigt sich dafür aber ausschließlich mit Fußball. Und das pdf-Dokument kann komplett heruntergeladen werden.

(via General-Anzeiger Bonn, Printausgabe vom 7.12.06, und DWDL.de)

Emotionsloser Abend

Gestern war für mich Premiere. Ich habe in der ARD den Film “Deutschland. Ein Sommermärchen” von Sönke Wortmann gesehen. Anschließend habe ich lange darüber nachgedacht, weshalb mich diese 105 Minuten emotional überhaupt nicht berührt haben, ganz im Gegensatz zu “Das Wunder von Bern”. Und das, obwohl ich gerade beim Thema Fußball hoffnungslos sentimental bin.

Zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 müssen zwei Geschichten erzählt werden.
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Wenn der Daum mit dem Daun

Gestern Abend ist etwas, zumindest für Medienschaffende, gar Wunderbares geschehen. Der 1. FC Köln mit dem bekannten Trainer Christoph DAUM hat gegen den MSV Duisburg mit dem unbekannten Stürmer Markus DAUN verloren. überdies erzielte Daun beim 1:3 die beiden ersten Treffer.

Dies war das Signal für alle passionierten Wortspieler, aus ihrer vorweihnachtlichen Lethargie zu erwachen. Seitdem gibt’s die volle Dröhnung. Hier eine kurze Auswahl dessen, was mir seit gestern an den Kopf geschleudert wurde:

  • Ganz Köln ist Daun (sportal.de)
  • Daun stiehlt Daum die Show (Kölnische Rundschau)
  • Daun vermasselte Daums Rückkehr (SF Tagesschau)
  • Daun verdirbt Daum das Comeback (SportBild)
  • Daun schiesst Daum ab (news.search.ch)

Und was machen die Kollegen vom Boulevard? Die geben sich mit profaner, nichtssagender Wortakrobatik natürlich erst gar nicht ab. Sie holen gleich aus zum umfassenden rhetorischen Keulenschlag:

  • Was für ein Alb-Daum-Debüt! (Express)
  • Albdaum für Köln! (BILD)

Wenn ich das so lese, geht doch gleich die Phantasie mit mir durch. Wie wär’s mit:

  • Daumatisches Erlebnis für den FC
  • Daun under am Dom
  • Daun ist high
  • Für Daum geht’s Daunstairs
  • Daum fällt unsanft ins Daunenbett
  • Dauns Daumen zeigt nach unten

Der Schieber

Kann mir einer sagen, was gestern mit dem DSF los war? Okay, auch ein erfahrener Fußball-Kommentator wie Thomas Herrmann kann mal einen schlechten Tag haben. Das Spiel von Bayer Leverkusen in Bukarest (1:2), das er kommentierte, war ja auch über weite Strecken nicht gerade erbaulich.

Aber: wo war der “Schieber”? Hat der Mann vor seinem Monitor keine Sekundanten, die ihm wichtige Infos dezent zustecken können? Seltsam war schon, dass er das Leverkusener Führungstor durch Barbarez mit zeitlicher Verzögerung wahrnahm. Während ich noch rätselte, ob vielleicht Bild und Ton asynchron bei mir ankommen, erzielte Bukarest den Ausgleich. Dank eines Blackouts von Bayer-Abwehrspieler Madouni, der dem Gegner den Ball vor dem eigenen Strafraum direkt in die Füße spielte. Das hatte Herrmann nicht gesehen. Aber anscheinend auch sonst niemand im Sender. Jedenfalls blieb diese vermutlich spielentscheidende Szene lange, zu lange, auf der Strecke – zumal sie auch beim rumänischen Fernsehen in den Zeitlupen-Wiederholungen nicht mehr auftauchte.

Liebes DSF, ich biete mich an, als analytischer Notizzettel-Zuschieber künftig eure übertragungen zu unterstützen.

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