Joseph S. Blatter, der Philosoph unter den Fußball-Funktionären, tritt zuweilen mit geistreichen Vorschlägen an die öffentlichkeit. Das heißt, an die öffentlichkeit tritt er eigentlich bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Aber über den qualitativen Gehalt seiner Beiträge streiten sich die Gelehrten seit Jahren.
Mal möchte der Chef des Welt-Fußballverbandes FIFA die Tore größer machen, damit mehr Tore fallen, dann setzt er das “Golden Goal” durch, damit auch in der Verlängerung offensiver gespielt wird, oder er fordert den Profi-Schiedsrichter, damit weniger Fehlentscheidungen getroffen werden (?!?). Vom Chip-Ball, der seine Flugkurve elektronisch live überträgt, mal ganz zu Schweigen.
Jetzt hat der 70 Jahre alte Schweizer eine neue bahnbrechende Idee. Er will das Elfmeterschießen, zumindest in einem WM-Finale, abschaffen (siehe u.a. faz.net). Nun muss man dem rührigen Fußball-Boss zu Gute halten, dass er schon schlechtere Einfälle hatte. Ich verspüre auch immer ein leichtes Unwohlsein im Bauch, wenn entscheidende Spiele auf hohem Niveau durch die Elfmeter-Lotterie entschieden werden. Auf der anderen Seite ist mir noch keine bessere Idee gekommen, die auch praktikabel wäre. Denkbar wäre höchstens folgendes Szenario: zwei “normale” Verlängerungen (also weitere 2×15 Minuten falls die erste keine Entscheidung bringt), anschließend “Golden Goal” bis zur Entscheidung.
Spätestens nach sieben Stunden, so meine Schätzung, wenn 15 der 22 Spieler mit Wadenkrämpfen auf dem Boden liegen, sollte das siegbringende Tor nahen. Dieses Modell birgt allerdings zwei Gefahren: 1. die meisten Zuschauer im Stadion dürften eingeschlafen sein, 2. das ZDF hat die übertragung wahrscheinlich längst abgebrochen und sendet stattdessen einen Spielfilm nach Rosamunde Pilcher.
Aber vielleicht hat Sepp Blatter bis 2021 noch eine ganz andere Idee. Denn in etwa 15 Jahren kann er ins Zentrum der Macht vorrücken. Dann hat er das inoffizielle Mindesteintrittsalter für das “International Football Association Board” erreicht. Dieses Gremium ist der Hüter des Fußball-Grals, sprich: der Regeln. Das IFAB wurde bereits im 19. Jahrhundert aus der Taufe gehoben und die meisten Gründungsmitglieder sind, glaube ich, noch dabei.
Schaun mer mal. Bis dahin könnt ihr euch, liebe Leser, ja die Zeit mit dem Studium dessen vertreiben, was in den letzten 30 Jahren alles so im Fußball-Regelwerk verändert worden ist.