Die Metamorphose

Was ist eigentlich in die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gefahren? Alle haben plötzlich wieder Spaß am Fußball – besonders wir Fans!  

Florenz, 1. März 2006: Elf weiß und schwarz gewandete Spieler irren ziellos auf einer grünen Wiese in Florenz umher. Manche Chronisten behaupten später, es habe sich um die deutsche Nationalmannschaft gehandelt. Eine Einschätzung, die vom Großteil der Deutschen nicht geteilt wird. Man sagt sich los: "Kenne ich nicht, nie gesehen!" Wie ein kleines Mäuschen in den Krallen einer Katze sind die weißen Germanen ein willkommenes Spielzeug für die Blauen (Italien). Der "Hühnerhaufen" (Torsten Frings) wartet 86 Minuten lang sehnsüchtig auf den Schlusspfiff.

Prag, 24. März 2007: Eine ausgezeichnet, zeitweise brillant, Fußball zelebrierende deutsche Mannschaft spielt das gewiss nicht schlecht besetzte tschechische Team an die Wand. Das Team wird von der internationalen Fußball-Welt mit der höchsten Anerkennung geadelt, dem Etikett "modern", und sogleich zum Topfavoriten für die Europameisterschaft 2008 erklärt. (Wobei ich der Meinung bin, dass attraktiver und erfolgreicher Fußball schon immer modern war; aber das ist an dieser Stelle ohne Belang.)

Wohlgemerkt: Neun (!) deutsche Kicker standen in BEIDEN Begegnungen auf dem Feld! Was ist in diesen 388 Tagen geschehen? Wie ist diese wundersame Wandlung vom Hühnerhaufen zum Löwenrudel zu erklären?

Um ganz ehrlich zu sein: fragen Sie mich was Leichteres! Wer das rational erklären kann, der trete jetzt vor oder schweige für immer. Es hat viel zu tun mit der Professionalisierung des Umfelds, der Fähigkeit zu lernen und sich nützliche Dinge bei anderen einfach nur abzuschauen; es hat ganz sicher zu tun mit der Magie der Psychologie, und mit Menschen, die diese Magie auch auf andere Menschen zu übertragen wissen; es hat zu tun mit harter Arbeit und Glück, auch die Akzeptanz durch die Fans spielt eine wesentliche Rolle; es hat zu tun mit Erfolg, der Selbstvertrauen vermittelt. Und das alles basiert natürlich auf (lange verschüttetem) Talent.

Was jetzt aber genau in welcher Kombination mit wem zu dieser erstaunlichen Metamorphose einer Fußballmannschaft geführt hat, wird wohl für ewig ein Geheimnis bleiben. Und weil dem so ist, trägt dieser Tatbestand schwungvoll zur Legendenbildung bei. Ehedem ziemlich normale Menschen wie Jürgen Klinsmann oder Joachim Löw finden sich unvermittelt in der Rolle von Nationalhelden wieder. Ich würde mich nicht wundern, wenn sie in Ostwestfalen bald Hermann, den Cherusker, vom Denkmalssockel holen und dort stattdessen eine Büste von Klinsi platzieren. Das Grenzgebiet zwischen Deutschland, der Schweiz und Österreich heißt vermutlich bald "Löwsches Dreieck". Und wenn wir schon gerade dabei sind, benennen wir natürlich Baden-Württemberg in "Löwen-Klinsmannsberg" um.

Schauen wir uns die Aufstellung der deutschen Mannschaft in Prag an:
Lehmann
Lahm – Mertesacker – Metzelder – Jansen
Schneider – Frings – Ballack – Schweinsteiger
Kuranyi – Podolski

Das Ganze nochmal in Altersangaben:
37
23 – 22 – 26 – 21
33 – 30 – 30 – 22
25 – 21

Diese Alterstruktur verspricht für die Zukunft einiges. Bei der WM 2010, oder eher noch 2014, befindet sich unsere "goldene Generation" der Jahrgänge 1983, 84 und 85 im besten Fußballeralter. Dann gesellt sich zum Talent auch noch die Erfahrung. Kaum zu glauben, aber wahr: Schweinsteiger hat mit 22 Jahren schon heute 43 Länderspiele auf dem Buckel – so viele wie Felix Magath in seiner gesamten Karriere. Der ein Jahr jüngere Podolski kommt bereits auf 38 internationale Einsätze. Wenn das so weitergeht, werden "Schweini & Poldi" am Ende ihrer Laufbahn irgendwo bei 170, 180 Länderspielen landen.

Abwehr und Angriff sind jung, unbekümmert und gut. Das kann im günstigsten Fall noch acht bis zehn Jahre in nahezu unveränderter Besetzung anhalten (bis auf "jung"). Einzig das Mittelfeld macht etwas sorgen. Vor allem Schneider und Frings sollten das Altern sofort einstellen. Oder können Sie sich ein Nationalteam ohne die beiden vorstellen? Zweifelhaft, ob die Gruftie-Combo Frings – Ballack – Schneider bei der WM 2010 noch zu Höchstleistungen fähig sein wird.

Aber das Kap muss ohnehin warten. Erstmal kommt die EURO. Und im Gegensatz zur WM macht sich bei mir klammheimlich Vorfreude breit.

Emotionsloser Abend

Gestern war für mich Premiere. Ich habe in der ARD den Film “Deutschland. Ein Sommermärchen” von Sönke Wortmann gesehen. Anschließend habe ich lange darüber nachgedacht, weshalb mich diese 105 Minuten emotional überhaupt nicht berührt haben, ganz im Gegensatz zu “Das Wunder von Bern”. Und das, obwohl ich gerade beim Thema Fußball hoffnungslos sentimental bin.

Zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 müssen zwei Geschichten erzählt werden.
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Justiz 2.0

Kennt ihr Hartmut Schneider? Nein? Ich bisher auch nicht. Der Mann ist Oberstaatsanwalt und als solcher Vertreter der Bundesanwaltschaft am Bundesgerichtshof (BGH) in Leipzig.

Dieser Mann hat vor dem obersten deutschen Gericht einen Freispruch für Skandal-Schiedsrichter Robert Hoyzer gefordert. Mit dem Argument, der des Betrugs angeklagte Ex-Schiri habe zwar eine “Gaunerei”, aber keinen strafbaren Betrug begangen. Eine wesentliche Voraussetzung des Betrugstatbestands sei hier nicht erfüllt – die “Täuschung”, so seine Argumentation.

Jaaa, äääähhhhhh… Ja.

Wir lernen: eine akademische Betrachtung hat nicht zwangsläufig etwas mit gesundem Menschenverstand zu tun. Auch nicht mit gesellschaftlicher Verantwortung. Unter diesem Aspekt gilt es viele Dinge neu zu bewerten. Rein akademisch betrachtet, ist auch ein Treffer in einem Fußballspiel kein Treffer. Denn es handelt sich bloß um das überqueren einer weißen Kreidelinie durch eine Kugel. Dies als “Tor” zu interpretieren, ist reine Willkür und durch nichts zu rechtfertigen.

Ja, so ist das. Oder, Herr Schneider, was meinen Sie?

(via Financial Times Deutschland)

Super Mario muss ran!

“Joachim Löw muss vor dem Länderspiel auf Zypern den Platz des vierten Stürmers besetzen,” meldet heute die Netzeitung.

Sorry, Jogi, aber führt denn momentan überhaupt noch ein Weg an Mario Gomez vom VfB Stuttgart vorbei?

Neue Chance für Underdogs

Im DFB-Pokal sind wir schon im Achtelfinale angekommen. Im Rennen sind noch:
Neun Bundesligisten: VfB Stuttgart, VfL Bochum, VfL Wolfsburg, Hannover 96, Alemannia Aachen, 1. FC Nürnberg, Eintracht Frankfurt, Hertha BSC, Bayern München.
Sechs Zweitligisten: Greuther Fürth, SpVgg Unterhaching, Wacker Burghausen, 1. FC Köln, Kickers Offenbach, MSV Duisburg.
Ein Regionalligist: VfL Osnabrück.
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