Wir wollen Gerechtigkeit!

In Paris hat ein skurriler Prozess begonnen. Das französische “Nationale Kollektiv für die Wahrheit über das WM-Finale 2006″ will eine Wiederholung des WM-Endspiels zwischen Frankreich und Italien (3:5 im Elfmeterschießen) richterlich erzwingen. Der Videobeweis sei zu Unrecht angewandt worden und der Schiedsrichter habe den Kopfstoß von Zinedine Zidane gegen den Italiener Marco Materazzi, der zum Platzverweis des französischen Kapitäns führte, gar nicht gesehen, so die Begründung. überdies sei der ganze Vorgang am 9. Juli 2006 in Berlin ein perfider Fall von Rassismus.
Weiter lesen »

Wenn der Daum mit dem Daun

Gestern Abend ist etwas, zumindest für Medienschaffende, gar Wunderbares geschehen. Der 1. FC Köln mit dem bekannten Trainer Christoph DAUM hat gegen den MSV Duisburg mit dem unbekannten Stürmer Markus DAUN verloren. überdies erzielte Daun beim 1:3 die beiden ersten Treffer.

Dies war das Signal für alle passionierten Wortspieler, aus ihrer vorweihnachtlichen Lethargie zu erwachen. Seitdem gibt’s die volle Dröhnung. Hier eine kurze Auswahl dessen, was mir seit gestern an den Kopf geschleudert wurde:

  • Ganz Köln ist Daun (sportal.de)
  • Daun stiehlt Daum die Show (Kölnische Rundschau)
  • Daun vermasselte Daums Rückkehr (SF Tagesschau)
  • Daun verdirbt Daum das Comeback (SportBild)
  • Daun schiesst Daum ab (news.search.ch)

Und was machen die Kollegen vom Boulevard? Die geben sich mit profaner, nichtssagender Wortakrobatik natürlich erst gar nicht ab. Sie holen gleich aus zum umfassenden rhetorischen Keulenschlag:

  • Was für ein Alb-Daum-Debüt! (Express)
  • Albdaum für Köln! (BILD)

Wenn ich das so lese, geht doch gleich die Phantasie mit mir durch. Wie wär’s mit:

  • Daumatisches Erlebnis für den FC
  • Daun under am Dom
  • Daun ist high
  • Für Daum geht’s Daunstairs
  • Daum fällt unsanft ins Daunenbett
  • Dauns Daumen zeigt nach unten

Die Cannavaroisierung des Fußballs

Der Italiener Fabio Cannavaro ist Europas Fußballer des Jahres 2006. Es sei ihm gegönnt, schließlich ist der 33 Jahre alte Abwehrspieler von Real Madrid Kapitän des aktuellen Weltmeisters.

Dennoch seien mir einige Anmerkungen zu dieser Rangliste des europäischen Fußballs, gestaltet von der Avantgarde des europäischen Sportjournalismus, gestattet. Das Votum der 52 Jurymitglieder der französischen Fußball-Fachzeitschrift “France Football“, die sich selbst ohne falsche Bescheidenheit die “Bibel des Fußballs” nennt, ist in dreierlei Hinsicht äußerst bemerkenswert – trotz der sportpolitischen Dimension, die solchen Abstimmungen natürlich immer innewohnt.
Weiter lesen »

Trainerkult

Nach etwas mehr als 2000 Jahren ist den Menschen wieder ein Messias erschienen. Diesmal allerdings nur mit einem regional begrenzten Zuständigkeitsbereich, nämlich für das mittlere Rheinland. Außerdem heißt er nicht Christus, sondern Christoph. Und seine Jünger gehen nicht über Wasser, sondern schießen den Ball ins gegnerische Tor – bejubelt von den Massen.

Gläubige Menschen mögen mir diese ketzerischen äußerungen verzeihen. Aber der Kult, der gegenwärtig in Köln um Trainer Christoph Daum betrieben wird, ist mit rationalen Maßstäben nicht mehr zu fassen. Okay, kann man einwenden, Köln ist ja schließlich eine Karnevalshochburg. Aber ich habe langsam den Eindruck, die Menschen hier um mich herum meinen das alle Ernst mit der göttlichen Verehrung. Daum legt die Hand auf und die eigenen Spieler bekommen Flügel, des Gegners Beine werden schwer und der Schiri führt nur noch im rechten Augenblick die Pfeife zum Mund. Liebe katholischen Kinder: es ist weder Jesus noch der Papst, es ist nur ein Fußball-Lehrer!

Ich bin ehrlich gespannt, ob diese Klamotte in Köln anders verläuft als ein paar Kilometer rheinabwärts. Auch in Mönchengladbach kehrte mit Jupp Heynckes ein ehedem Eingeborener als gewachsener Weltmann in das ländliche Idyll am Niederrhein zurück. Und allen blieb am Ende die bittere Erkenntnis, dass auch ein früherer Champions-League-Gewinner aus Ackergäulen keine Rennpferde machen kann.

Die Spieler des 1. FC Köln werden die Situation genießen, denn komfortabler geht es kaum noch: ab jetzt gewinnt und verliert in Köln nur noch Christoph Daum. Von der Mannschaft redet keiner mehr.

Die Antwort…

…auf meine gestrige 1-Million-Euro-Frage ist gefunden. Die richtige Lösung lautet “D”.

Danke an kicker.de

Der 1. FC Köln hat die Reißleine gezogen und seinen Trainer Hanspeter Latour (59) entlassen.

für den entscheidenden Hinweis!

P.S. Herzlich Willkommen zurück im deutschen Fußball, Christoph Daum!

« Vorherige SeiteNächste Seite »